Jeder hat schon einmal ein solches Angebot gelesen: Geld verdienen von zu Hause aus. Im Anzeigenteil der Tageszeitung sind derartige Anzeigen ebenso verbreitet wie im Internet oder dem Videotext des Fernsehers. Doch kann man wirklich in Heimarbeit das große Geld verdienen? Selbstverständlich klingt es verlockend: Man spart den – oft sehr lästigen – Weg zur Arbeit, kann sich die Zeit selbst einteilen und hat keine nervenden Kollegen oder einen Druck machenden Chef um sich herum. Man braucht sich morgens nicht einmal zu kämmen, bevor man sein Tagwerk beginnt. Doch wie lukrativ ist das Kugelschreiber-Montieren in Heimarbeit? Zahlt es sich aus, in Heimarbeit Schreibgeräte zusammenzubasteln, die in riesigen Mengen zu Billigpreisen verkauft werden? Oder Broschüren zu falten, deren Inhalt mehr als fragwürdig ist? Generell ist von Tätigkeiten abzuraten, für die der Bewerber erst einmal selbst etwas bezahlen muss, sei es für weitere Informationen oder Arbeitsmaterial. Gleich zu Beginn werden die Interessenten für die Heimarbeit nämlich meist schon zur Kasse gebeten: teure Telefonverbindungen werden angegeben oder Vermittlungs- oder Bearbeitungsgebühren verlangt. Auch muss das Material für die Kugelschreiber vorab bezahlt werden. Häufig fallen hier mehrere hundert Euro an.
Wenn dann endlich ein Paket ankommt, ist die Überraschung beim Empfänger oft groß: Mal erhalten die Heimarbeiter nur Listen mit Namen von Firmen, die (angeblich) jemanden suchen, der für sie Stifte zusammensetzt. Mal erhalten sie nur das Material, um einen einzigen Kugelschreiber montieren zu können, weiteres Material gibt es dann erst, wenn weitere Heimarbeiter geworben wurden.
Es kann auch sein, dass tatsächlich Material für mehrere hundert Schreibgeräte geliefert wird. Sind die Kugelschreiber dann fertig, können sie meist nicht wie vereinbart an die Firma verkauft werden. Möglicherweise entsprechen sie nicht den Qualitätsanforderungen der Firma. Oder die Firma ist schon gar nicht mehr zu erreichen. Somit bleibt der eifrige Bastler dann nicht nur auf den Kosten für das Material sitzen, sondern auch auf einem Berg von (billigen) Kugelschreibern.
Gepostet am 10. Juni 2010